Interkultureller Gemeinschaftsgarten Das Museum Fronfeste Neumarkt am Wallersee als Ort des Zusammenkommens

Museen sind im Idealfall Orte des Zusammenkommens: Vergangenes trifft hier auf Heutiges, Geschichten auf Geschichte, Alltägliches auf Besonderes, Selbstvergewisserung auf fremde Identitäten. Das Museum Fronfeste bringtmit dem "Interkulturellen Garten Neumarkt am Wallersee" Erfahrungen vorangegangenerProjekte ein, die einen Zugang zu einer gemeinsam gelebten multikulturellen Identität ermöglichen sollen. Schon seit vielen Jahren liefert unserProgrammmuseumBeispiele dafür, Kultur und Kulturennicht nur auszustellen, sondern die Besucher in dievom Museum initiiertenProjekte aktiv einzubinden. Im Jahr 2008 wurde damit begonnen, eingroßes Grundstück rund um die sogenannte Gürtlervilla - die heute gleichzeitig das Depot des Museums aufnimmt- in viele kleine Parzellen aufzuteilen.DieseParzellen wurden interessierten NutzerInnen zur Verfügung gestellt. Interkulturell wurde dieserGarten dadurch, dass wir auch Menschen mit Migrationshintergrund zum Mitmachen eingeladen haben. Durch das gemeinsame Tun im Garten entstandenKontakte und schließlich auch ein gemeinsames Ziel: der interkulturelle Austausch.

Begonnen hat die nette Geschichte solcher Gärten des interkulturellen Austauschens mit der Erkenntnis, dass eine multikulturelle Gesellschaft, die nicht "inter"-agiert sondern nur "multi" nebeneinander lebt, kein Zusammenleben mit ausreichenden Kontaktmöglichkeiten entwickeln kann. Mit den Interkulturellen Gärten sollte etwas Verbindendes an- und aufgebaut werden: Hier - so die Philosophie - können sich Menschen aus verschiedenen Kulturen, Herkunftsländern, Berufsgruppen und unterschiedlichen Alters begegnen. Gemeinsam bearbeiten sie einen Garten, tauschen Erfahrungen aus, Säen, Pflegen, Ernten und Feiern. Ein Garten kann so zum Lernfeld für ein gelungenes Zusammenleben werden.
Stadt Neumarkt, Hauptschule Neumarkt, Elternverein der Hauptschule Neumarkt, Caritasverband Salzburg vertreten durch das Caritas-Zentrum Neumarkt, Samshofbauer, InterSol, SIR, Kindergarten Neumarkt, Ortsbäuerinnen Neumarkt, HBLA Neumarkt, Johann Aigner Volksschule Neumarkt, Asylwerber im Gasthof Gerbl - und zusammen mit vielen engagierten Persönlichkeitenan der Organisation und der Umsetzung der Idee der Gärten.

Im Museum wird der Dialog der Kulturen zu einem Dialog der Menschen

Das Museum Fronfeste bot neben dem "Garteln" eine wichtige Plattform für das Zusammenkommen der GärtnerInnen an. In unserem Veranstaltungsraum wurde zu Kinoabenden, zum "Interkulturellem Kochen" und zum Erntedankfest eingeladen.

Beim etwas anderen Erntedankfest feierten alle Gärtnerinnen und Gärtner, die in den interkulturellen Gärten einen Sommer lang mitgemacht haben. Gäste aus aller Welt wurden eingeladen, aus China, Tibet, Indien, Bangladesh, Sri Lanka, Pakistan, Afghanistan, Mongolei, Serbien, Norwegen, Salzburg und Neumarkt. Die Asylwerber aus Bangladesh überraschten mit einem außergewöhnlichen Mahl. Das Kochen und gemeinsame Essen im Museum betraf jedoch nur einen Teil der Veranstaltung, der andere Teil fand im Anschluss mit einer Führung durch das Museum statt.
Die Vermittlung der Museumsinhalte war vom gemeinsamen Finden von Worten und Sprachen geprägt: So sprachen einige der Gäste kein Englisch, Inder übersetzten aus dem Englischen ins Bengali und eine eingeladene norwegische Bürgermeisterin, die früher als langjährige Missionsmitarbeiterin in Taiwan gearbeitet hatte, dolmetschte ins Chinesische.
Dieses einander Verständlichmachen, wurde von den Gästen durch ihre eigenen Erlebnisse und durch ihr Wissen um die Traditionen ihrer Heimatländer lebendig ergänzt. Als Beispiel dieser transkulturellen Begegnung sei der musikalische Einsatz der indischen Besucher im Themenraum zur Geschichte der Huterzeugung angeführt. Bei unseren Ausführungen zum Handwerk der Hutmacher gehört zwingend eine haptische Materialkunde dazu - das Berühren, Vergleichen, Spüren und das Aufsetzen von Hüten. Für einige wurden dabei die Erinnerungen an die beliebten Bollywood-Filme wach und sie boten zugleich eine schauspielerische Gesangseinlage vom Feinsten.

Diese Führung durch unser Museum versetzte uns, aber auch die sonst im Ort gemiedenen Asylwerber, ins Staunen. Die direkte und offene Ansprache, die für sie erbrachte Zeit und der ihnen erbrachte Respekt, stellte für alle Beteiligten eine außergewöhnliche Situation dar: Das Museum wurde zum Ort, an dem man die Geschichte(n) der Asylwerber ernst nahm, und es wurde zum Impulsgeber für weitere Schritte: Die Probleme werden seither verstärkt in Angriff genommen: Anliegen, wie die Schaffung von kleinen Jobs in der Stadtgemeinde, werden an den anwesenden Bürgermeister Dr. Emmerich Riesner direkt gerichtet. Die Schwierigkeit, vor Ort an indische Kleidung zu kommen, wird mit Hilfe von Internet-Einkäufen gelöst. Den tiefen Depressionen mancher Asylwerber, ihre qualifizierte Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellen zu können, begegnen wir mit Kontaktangeboten zu dem mit unserem Museum im selben Haus befindlichen "Neumarkter BürgerInnen Service".

So kann das Museum Fronfeste auf dem schwierigen Weg der Integration zumindest etwas helfen. Integration kennt keine fertigen Rezepte, sie kann nur in der täglichen Arbeit versucht werden. Die Erfahrungen unseres Projektes haben gezeigt, dass es sich lohnt, solche Versuche zu wagen. Ich habe diesen Beitrag eingangs mit dem Gedanken begonnen, dass ein Museum nicht nur Bewahrer sondern vor allem auch Kulturträger und Impulsgeber ist. Aus diesem Verständnis, wollen wir weiterhin ein offenes Haus anbieten, dass die Begegnung von Menschen und Meinungen aus eigenen und fremdem Kulturen fördert und fordert.